Ein geheimnisvoller Retter

Mein leerer Blick fiel in das züngelnde Feuer. Es sah trostlos aus. Die brennende Hütte, die Flammen, die langsam das Holz immer mehr verschlangen. Schemenhafte Bilder zogen in meinem Kopf vorüber. Eben war doch alles noch normal gewesen. Noch vor ein paar Minuten saß ich lachend bei meiner Schwester, und jetzt? Ich hatte sie sterben sehen. Kurz nachdem die Flammen auf unerklärliche Weise ausgebrochen waren, stürzte ein Dachbalken von der Decke. Ich konnte mich an alles noch genau erinnern. Ihr Blick, dieser mit grauen erfüllte Blick, so hatte sie mich angeschaut. Sie wusste dass sie streben würde, sie wusste es genau. Begraben unter einem schweren Balken lag sie und hatte trotzdem kein Wort über ihre Schmerzen verloren. Sie hatte mich nur angeschaut und gesagt:“ Alles wird gut.“ Dann schloss sie die Augen und starb in meinen Armen. Ich schüttelte mich. Danach bin ich einfach nur noch gerannt. Aus dem Haus, aus dem Garten. Von der anderen Straßenseite beobachtete ich das Schauspiel. Da kam mir ein furchtbarer Gedanke: Was war, wenn sie überhaupt nicht tot war, sondern nur ohnmächtig? Eine Träne lief meine Wange hinunter. Ich wischte sie weg. Da lief in meinem Kopf noch einmal das Geschehen ab. „Halte durch, ich komme und hole dich!“, schrie ich gegen den Wind an und rannte los. „Da hörte ich hinter mir eine Stimme. „Halt, bleib stehen!“, rief sie und ich drehte mich um. Dort stand ein Junge. Ich konnte nicht genau sehen, wer er war. Er stand im Rauch und machte nun langsam einen Schritt nach vorne. Der Junge sprach weiter ruhig auf mich ein. „Meine Schwester ist darin!“, brüllte ich ihn an. Schluchzend wendete ich mich von ihm ab und lief weiter Richtung Haus. Gerade als ich einen Fuß hinein setzen wollte, krachte ein weiterer Balken von der Decke. Ich schreckte zurück. Da verspürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Sie gehörte dem Jungen. Wütend schrie ich ihn an „Lass mich los!“ „Nein“, meinte der Junge kopfschüttelnd, „Dann stirbst du auch- wie deine Schwester!“ „Sie ist nicht tot!“, weinte ich, riss mich los und stürmte ins Haus. „Nadine! Nadine! Wo bist du?“, rief ich. Auf einmal umfasste eine Hand meinen Arm. Sie zerrte mich heraus. Ich währte mich, schlug um mich und trat nach dem Jungen aus. Sein Gesicht war grau von Rauch und Asche. Mühsam brachte er mich heraus. Hustend hielt er mich fest. „Lass mich los!“, fauchte ich  an. Er schüttelte den Kopf. „Dann stirbst du!“, gab er zurück. Ich gab nach. Müde ließ ich mich auf den Boden fallen. Der Junge, dessen Gesicht ich immer noch nicht erkannt hatte, zog seine Jacke aus und legte sie mir über sie Schultern. Er zog ein Handy aus der Tasche und wählte eine Nummer, die sich schon bald als Polizeiruf herausstellte. Und während die Beamten mich mit sanfter Gewalt in einen Polizeiwagen drückten, verschwand mein Retter ohne sich umzudrehen. Das einzige was mir von ihm blieb war seine Jacke und ein Stechen in meinem Herz.

Am nächsten Tag, als ich im Krankenhaus, wo sie mich hingebracht hatten, etwas herunterwürgte, hörte ich Radio. Und bei einem Satz verging mir gründlich der Appetit. Es stellte sich heraus, dass Bill von TOKIO HOTEL mein Leben rettete, und dafür werde ich ihm ewig danken!!! ENDE